Es gibt immer mal wieder so ein Wochenende, an dem man sich fragt:
Wie hat das, was passierte, eigentlich alles in diese wenigen Tage gepasst?
Ich habe gerade solch ein Wochenende hinter mir.
Es waren negative, bis hin zu beängstigende Situationen, die sich mit ganz viel Freude über ein wundervolles Geschenk die Waage hielten. Beides wollte gelebt werden. Wobei sich beides nicht bedingte.
Kann nur sagen, Gott sei Dank.
Den Startschuss zu diesem Chaos gab es, wenn man ganz ehrlich ist, bereits am Mittwoch.
Da stand die halbjährliche Kontrolle beim Zahnarzt auf dem Programm. Weil es praktisch und auch viel gemütlicher ist, versuchen wir, der Mann an meiner Seite, unsere Tochter und ich, zusammen einen Termin zu bekommen. Das war uns auch dieses Mal wieder gelungen und so traten wir, einer nach dem Anderen, den Gang auf den "Marterstuhl" an.
Bei Tochterlieb und mir lief es ohne zusätzliche Absprache ab - gut, ich habe ja auch noch eine weitere auf meinem Restaurationsplan stehen. Der Mann allerdings wusste bereits im Ansatz der Kontrolle die Aufmerksamkeit des Zahnarztes auf seinen seit dem Vortag sich dringend in den schmerzhaften Vordergrund drängelden Backenzahn zu lenken.
Er verließ den Stuhl nach einer sofort eingeleiteten Wurzelkanalbehandlung eine Stunde später, mit sich langsam verabschiedender Betäubung und einer neuen Verabredung für eine Extraktion des Zahnes Mitte Februar.
OK, zur Erinnerung, er ist Herzpatient und zum besseren Verständnis, er benutzt Blutverdünner, damit seine künstliche Herzklappe schön rund läuft. Nun also mussten erst die Blutverdünner unter Begleitung des Thrombosedienstes abgebaut, durch andere Mittel ersetzt, dann der Zahn gezogen und anschließend diese Aktion des Blutverdünnens bis auf die gewünschte "Dichte" wieder angeschoben werden.
Wir kennen das bereits, ist lästig aber machbar.
Zu Hause ließ die Betäubung nach und der Schmerz nahm zu.
Die Nacht war unruhig, kurz und führte zu einem weiteren Spontanbesuch beim Zahnarzt am Donnerstag. Der Zahn wurde erneut behandelt und der kieferchirurgische Eingriff um eine Woche vorverlegt. Dieser neue Termin geht gerade noch zeitlich wegen des Abbaus der Blutverdünner.
Der Schmerz blieb, wurde stärker und dann rasend und führte zu leichtem Fieber, während das Gesicht im Unterkieferbereich auf der rechten Seite eine sehr interessante Form annahm. In der Nacht dann kalte Schübe für den Mann an meiner Seite und für mich der Entschluss: ENDE, jetzt wird sofort was getan.
Das wurde dann auch in die Tat umgesetzt.
Gleich am Freitagmorgen lief die Aktion: NOT-Eingriff nach Kontakt mit allen medizinischen Diensten und in wirklich guter Kommunikation der einzelnen beteiligten Spezialisten an. Nach einem einstündigen Eingriff war der Backenzahn mit seinen "sauerländischen" Wurzeln draußen.
Vollgepumpt mit Antibiotika und örtlicher Betäubung wurde der Mann in meine Obhut gegeben. Mit einer schönen "Rezeptesammlung" versorgt, dazu Faltblätter für und mit Verhaltensmaßregeln, sowie wochenendlichen Telefonnummern für den Thrombosedienst begaben wir uns auf den Weg nach Hause.
Die ausführliche Beratung zu den Medikamenten in der Apotheke und der Kontakt mit dem Thrombosedienst am Telefon / per Fax ersparte ich dem gequälten Zahnopfer, er wollte nur noch Ruhe und Schlafen.
Ich hatte Hunger, die Mittagszeit war weit überschritten und irgendetwas sollte ich dann eigentlich doch auch noch für das Wochenende einkaufen.
Der Anruf am frühen Abend von Tochterlieb, die sich nur erkundigen wollte, wie es denn so mit dem Samstag und unserem seit mehreren Monaten geplanten Besuch des Musikals "Miss Saigon" in Utrecht aussähe: .."also wer fährt und wie und wo? Ich höre ja nichts von Euch!", katapultierte mich mit einem Ruck zurück in das ganz normale Leben, ohne Zähne und Notfall-Eingriffe, zurück. Wobei ich nun erst der ahnungslosen Tochter erklären musste, was da vor wenigen Stunden bei uns abgelaufen war.
Im Hintergrund verkündete der gerade erwachende Göttergatte etwas nuschelnd angesichts der aufgeschwollenen Backe: "Ach, das Teil ist draußen, ich gehe mit, wir treffen uns morgen um 12.00 Uhr bei Euch!"
Fortsetzung folgt....
Januar 2012
(c) U.Pahnke-Felder
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