Dienstag, Januar 31, 2012

Fortsetzung ...

Die Nacht der Nächte begann, was den Mann an meiner Seite betraf.
Er wälzte sich, er quälte sich, er zählte Schäfchen vor und zurück und hoffte, dass diese Nacht doch noch irgendwann ein Ende haben würde. Die für meine Begriffe Unmengen an Parazetamol, „...die dürfen Sie nehmen“, wurden gegenüber der vorherigen Nacht deutlich reduziert und doch waren die Schmerzen stärker.

Nach dieser chaotischen Nacht brach für mich der nächste Morgen einfach viel zu früh um 8.30 Uhr an und aus der Schlafstätte neben mir blickte mich ein gänzlich schief verformter Kopf aus tiefliegenden Augen an.
„Du“, sprach das Etwas, „ich kann, glaube ich, nicht mit Euch fahren. Aber Du musst! Du hast Dich doch schon so darauf gefreut.“

Hier an dieser Stelle muss ich nun etwas über diesen geplanten Musicalbesuch sagen.
Der Liebesmann an der Seite unserer Tochter spielt in einer der vielen Formen des Lottos, die die Niederländer kennen, mit einem Los mit. Und auf dieses Los war nun ein Musicalbesuch von „Miss Saigon“ in Utrecht für 4 Personen mit allem Drum und Dran, also VIP und zurück, gefallen. Sie hatten uns gefragt, ob wir das Kleeblatt beim Besuch der Veranstaltung komplettieren wollten und wir hatten bereits vor Monaten begeistert zugesagt.

Nun liegt Utrecht ja nicht um die Ecke und so mussten wir spätestens um 12.00 Uhr aufbrechen, wollten wir das gesamte angebotene Programm mitmachen und genießen.
Also war nun Eile für einen gescheiten Entschluss gefragt. Männe konnte wirklich nicht mit. Aber konnte ich ihn in diesem Zustand alleine lassen? Dann wären 2 Karten hin und weg – oder wir fanden nun ganz schnell noch 2 Personen, die wir fragen könnten und die dann bereit wären, erst zu uns und dann weiter ins Land nach Utrecht zu reisen. Zudem auch liebe Leutchen, die mit dem stolzen Gewinner und seiner Herzensdame einen tollen Tag in Harmonie …


Zähneputzen, denken, W. versorgen, denken, verwerfen, duschen, denken....
Mir fiel unser Sohn und seine Frau ein. Mit denen kann man Spaß haben, kann man lachen, kann man genießen. Aber die wohnen dann auch wieder eine kleine Stunde von uns entfernt in Deutschland. Und wollten die eigentlich …? Zudem wurde die Zeit immer knapper.
„Ich habe doch schon gesagt“, meldete sich inmitten dieses Gedankenchaos der Meine, „Du fährst! Kannst mir ja sowieso nur beim Abschwellen zusehen. Ich verkrieche mich gleich wieder und rede dann überhaupt nicht mehr – für mindestens 3 Tage!“

Also rief ich Tochterlieb an und sie konstatierte mit Blick auf die tickende Zeitangabe an der Wand:
„Mensch Mama, mein Bruder kann das nicht mehr schaffen, Mama, rechne doch mal. Mach Du Dich fertig, ich habe da eine Idee, für die andere Karte. Aber Du musst mitfahren.“

Zufällig hatte sie am Tag vorab noch mit einer Freundin geredet und die war total begeistert von dem Gewinn. Als diese Dame nun, noch im Bett liegend, von der Möglichkeit hörte, sich uns anzuschließen, stellte sie einen, nein DEN Rekord im Aufstehen, Frühstücken und Auftüttern auf.

Und so fuhren wir nur 15 Minuten später als geplant Richtung Utrecht.
Zugegeben, meinerseits mit nicht ganz leichtem Herzen. Aber dagegen helfen ja Handys – die ich eigentlich gar nicht so toll finde.

Das ultimative Verwöhnprogramm erwartete uns direkt am Eingang des Theaters.
Da Tochterlieb wegen einer Autoimmunkrankheit im Rollstuhl sitzt, ja, ja sie hat auch (noch) Krebs, wurden wir sofort am Eingang von einer „Gastfrau“ in Empfang genommen und quer durch die auf Einlass wartende Menge in die VIP-Lounge gebracht.
Hier erwartete uns ein wundervolles „High Tea – Arrangement“. Tee oder Kaffee, Kuchen satt in den abenteuerlichsten Erkennungsfarben der Lotterie und in allerlei Formen auf turmhohen Etalageren.
Danach führte man uns zu grandiosen Sitzplätzen, kümmerte sich um das Verstauen des Rollstuhles und holte uns auch wieder zur Pause ab, damit wir uns, wiederum in der VIP-Lounge, einem Vietnam-Imbiss und einem Glas Wein widmen konnten, bevor die Show weiter ging.
Wir waren begeistert, stärker noch, die liebenswerte und sehr lustige Vertretung für W. war total aus dem Häuschen. „Da liege ich im Bett und denke über den Tag nach und was man doch mal so machen könnte und dann klingelt das Telefon – irre, super!“

Die Telefonate an die Heimatfront zur Erkundung der Lage von Männe waren beruhigend. Er döste, trank viel und hatte ansonsten GOTT SEI DANK seine Ruhe.

Als wir am Abend wieder in Venlo landeten, waren insgesamt 5 Personen zufrieden, nein selig.
Vier hatten ein Musical mit Beiprogramm absolut und uneingeschränkt genossen und eine Person hatte sich ungestört seiner mit 4 Stichen genähten Backe, dem nicht mehr vorhandenen Zahn und dem dösigen Kopf (ORIGINALTON!) widmen können.
Er hatte den Schwellungen nur einen eiskalten Waschlappen entgegen gesetzt und die Schmerzen ab dem Nachmittag mit Bundesliga und lediglich zwei weiteren Parazetamol unter Kontrolle gehalten. Den Thrombosedienst hatte er nicht benötigt und auch keine der Sicherheitsnetz-Telefonnummern einschalten müssen. Ansonsten waren die verordneten Tabletteneinheiten und ein Joghurt in seinen Körper gewandert, denn kauen und weiteres war nicht, wollte auch gar nicht genossen werden. Meine Schilderungen der Kuchenorgie ließen ihn kalt – meine absolute Zuckerschnute – er musste sich wirklich erholen!

Den Sonntag haben wir dann endlich zum Ausschlafen, Erholen, Entspannen, Schmerzabbau und Nacherleben gebraucht.

Wie passt nur so viel in knapp 48 Stunden?
Na ja, lautet meine Erklärung: Wir leben.


Januar 2012
(c) U.Pahnke-Felder

Montag, Januar 30, 2012

Wochenende

Es gibt immer mal wieder so ein Wochenende, an dem man sich fragt:
Wie hat das, was passierte, eigentlich alles in diese wenigen Tage gepasst?

Ich habe gerade solch ein Wochenende hinter mir.

Es waren negative, bis hin zu beängstigende Situationen, die sich mit ganz viel Freude über ein wundervolles Geschenk die Waage hielten. Beides wollte gelebt werden. Wobei sich beides nicht bedingte.
Kann nur sagen, Gott sei Dank.
Den Startschuss zu diesem Chaos gab es, wenn man ganz ehrlich ist, bereits am Mittwoch.
Da stand die halbjährliche Kontrolle beim Zahnarzt auf dem Programm. Weil es praktisch und auch viel gemütlicher ist, versuchen wir, der Mann an meiner Seite, unsere Tochter und ich, zusammen einen Termin zu bekommen. Das war uns auch dieses Mal wieder gelungen und so traten wir, einer nach dem Anderen, den Gang auf den "Marterstuhl" an.
Bei Tochterlieb und mir lief es ohne zusätzliche Absprache ab - gut, ich habe ja auch noch eine weitere auf meinem Restaurationsplan stehen. Der Mann allerdings wusste bereits im Ansatz der Kontrolle die Aufmerksamkeit des Zahnarztes auf seinen seit dem Vortag sich dringend in den schmerzhaften Vordergrund drängelden Backenzahn zu lenken.
Er verließ den Stuhl nach einer sofort eingeleiteten Wurzelkanalbehandlung eine Stunde später, mit sich langsam verabschiedender Betäubung und einer neuen Verabredung für eine Extraktion des Zahnes Mitte Februar.

OK, zur Erinnerung, er ist Herzpatient und zum besseren Verständnis, er benutzt Blutverdünner, damit seine künstliche Herzklappe schön rund läuft. Nun also mussten erst die Blutverdünner unter Begleitung des Thrombosedienstes abgebaut, durch andere Mittel ersetzt, dann der Zahn gezogen und anschließend diese Aktion des Blutverdünnens bis auf die gewünschte "Dichte" wieder angeschoben werden.
Wir kennen das bereits, ist lästig aber machbar.

Zu Hause ließ die Betäubung nach und der Schmerz nahm zu.
Die Nacht war unruhig, kurz und führte zu einem weiteren Spontanbesuch beim Zahnarzt am Donnerstag. Der Zahn wurde erneut behandelt und der kieferchirurgische Eingriff um eine Woche vorverlegt. Dieser neue Termin geht gerade noch zeitlich wegen des Abbaus der Blutverdünner.

Der Schmerz blieb, wurde stärker und dann rasend und führte zu leichtem Fieber, während das Gesicht im Unterkieferbereich auf der rechten Seite eine sehr interessante Form annahm. In der Nacht dann kalte Schübe für den Mann an meiner Seite und für mich der Entschluss: ENDE, jetzt wird sofort was getan.
Das wurde dann auch in die Tat umgesetzt.
Gleich am Freitagmorgen lief die Aktion: NOT-Eingriff nach Kontakt mit allen medizinischen Diensten und in wirklich guter Kommunikation der einzelnen beteiligten Spezialisten an. Nach einem einstündigen Eingriff war der Backenzahn mit seinen "sauerländischen" Wurzeln draußen.
Vollgepumpt mit Antibiotika und örtlicher Betäubung wurde der Mann in meine Obhut gegeben. Mit einer schönen "Rezeptesammlung" versorgt, dazu Faltblätter für und mit Verhaltensmaßregeln, sowie wochenendlichen Telefonnummern für den Thrombosedienst begaben wir uns auf den Weg nach Hause.
Die ausführliche Beratung zu den Medikamenten in der Apotheke und der Kontakt mit dem Thrombosedienst am Telefon / per Fax ersparte ich dem gequälten Zahnopfer, er wollte nur noch Ruhe und Schlafen.

Ich hatte Hunger, die Mittagszeit war weit überschritten und irgendetwas sollte ich dann eigentlich doch auch noch für das Wochenende einkaufen.

Der Anruf am frühen Abend von Tochterlieb, die sich nur erkundigen wollte, wie es denn so mit dem Samstag und unserem seit mehreren Monaten geplanten Besuch des Musikals "Miss Saigon" in Utrecht aussähe: .."also wer fährt und wie und wo? Ich höre ja nichts von Euch!", katapultierte mich mit einem Ruck zurück in das ganz normale Leben, ohne Zähne und Notfall-Eingriffe, zurück. Wobei ich nun erst der ahnungslosen Tochter erklären musste, was da vor wenigen Stunden bei uns abgelaufen war.
Im Hintergrund verkündete der gerade erwachende Göttergatte etwas nuschelnd angesichts der aufgeschwollenen Backe: "Ach, das Teil ist draußen, ich gehe mit, wir treffen uns morgen um 12.00 Uhr bei Euch!"

Fortsetzung folgt....


Januar 2012
(c) U.Pahnke-Felder

Freitag, Januar 20, 2012

Einfach nur

Einfach nur
meine Entscheidung genießen
mit mir im Reinen
zufrieden zurücklehnen

Einfach nur
meine Entscheidung betrachten
voller Harmonie
ins Wochenende gehen

Einfach nur
meine Entscheidung!


Januar 2012
(c) U.Pahnke-Felder

Donnerstag, Januar 19, 2012

Bauchgefühl

Die Gedanken sind ausgeschaltet,
der Ratio ist zur Seite geschoben,
mein Bauch diktiert.

Das Gefühl ist eingeschaltet,
die Unvernunft will gehört werden,
mein Lebensgefühl schlägt Purzelbäume.

Meine Abenteuerlust trifft
auf meine Neugierde
und vermählt sich mit dem puren Sein.

Morgen mische ich Verstand mit Bauchgefühl
zu meiner Entscheidung.
hinter der ich ganz und gar stehe.


Januar 2012
(c) U.Pahnke-Felder

Mittwoch, Januar 18, 2012

Gedankenpause

Ein Angebot liegt auf meinem Tisch,
das ich mir immer wünschte.

Ein Angebot liegt auf dem Tisch,
das ich mir oft erträumte.

Ein Angebot liegt auf dem Tisch,
das ich gut abwägen will.

Ein Angebot,
das mich anlächelt.

Ich mach ganz kurz eine Gedankenpause!

Januar 2012
(c) U.Pahnke-Felder

Montag, Januar 16, 2012

Das Dschungelcamp

Inzwischen geht das Jahr 2012 in die 3. Woche.
Der Weihnachtsbaum dürfte abgeräumt und zum "grünen Müll" gelegt sein, wobei er vielerorts bereits abgeholt und kompostiert wurde. Also definitiv Vergangenheit.
Unsere guten Vorsätze, zumindest die ersten, sind bereits dem Alltag geopfert. Die Diät gegen den Feiertagsspeck ist (erfolglos) beendet und der Erkenntnis gewichen, dass man sowieso niemals zwischen Weihnachten und Silvester, sondern zwischen Silvester und Weihnachten zunimmt.

Langsam sollte alles wieder seinen normalen Gang gehen.
Denkste, so musste ich heute feststellen.

Die ersten Freunde sind mit ihren Gedanken nur noch beim anstehenden Wintersport und der Frage, ob der Schnee, wenn welcher da ist, auch reicht.
Andere sind ganz mit den Vorbereitungen für Karneval beschäftigt und für  andere Themen nicht mehr ansprechbar.
Eine dritte Gruppe ist seit Freitagabend im Dschungelfieber.
OK, das kann ich verstehen, zu denen gehöre ich eigentlich auch.
Eigentlich, denn leider sind die lieben Menschen, die Das RTL in diesem Jahr dort im Australischen Busch versammelt hat, durchweg unglaublich langweilige "Ich-möchte-doch-was-sein-Wesen"!
Entsprechend ist dann auch die Aktion, die dort gezeigt wird. Wobei die Kern-Aussagen der einzelnen Teilnehmer sich getrost in einem 30 Sekunden-Spot zusammenklippen lassen und selbst dann kommt  noch Langeweile auf.

Aktionen wie: "Wer hat seinen Teller nicht abgewaschen" und "Wer zeigt wem gegenüber keinen Respekt"?
Nein, das bringt es nicht. Da hatten wir doch schon bessere Themen. Da war doch selbst das Klopapier und seine Rationierung im letzten Jahr schon spektakulärer.
Und dieses Erotik-Modell ist wirklich für 5 Minuten schön anzuschauen, aber dann reicht es. Gebt ihr bitte endlich was zum Anziehen und verbietet ihr bitte, den Mund aufzumachen. Schön, dass ES spricht, aber ...
Wobei sich Martin, meine Hochachtung, ganz richtig entschieden hat: Er sagt seit 3 Tagen dann mal nichts. Schließlich gibt es ja auch nichts, was sich lohnt.

Gut, dass es unser Dream-Team Sonja und Dirk gibt.
Bitte, bitte lästert weiter und zeigt Eure schrägbunten Kostüme auf den Hängebrücken. Zumindest regen die "Papageienlästermäuler" meine Phantasie mehr an, als diese "Promibodentruppe".


Januar 2012
(c) U.Pahnke-Felder

Freitag, Januar 06, 2012

Einfach nur

Einfach nur leben
- mit mir

Einfach nur da sein
- für Dich

Einfach nur lieben
- jetzt und intensiv

Einfach nur...
- es ist nicht leicht.


Januar 2012
(c) U.Pahnke-Felder

Mittwoch, Januar 04, 2012

Herzlichen Glückwunsch


und einen guten Weg im neuen Lebensjahr, dem Mann an meiner Seite.


Januar 2011
(c) U.Pahnke-Felder

Montag, Januar 02, 2012

2012

Angekommen im Neuen Jahr,
mit all unseren Wünschen und Sehnsüchten,
mit all unseren Träumen und Plänen.

Angekommen im Neuen Jahr,
mit einem Sack voller Erwartungen,
mit einem Lastwagen voller guter Vorsätze.

Angekommen im neuen Jahr,
mit .....

Angekommen im Neuen Jahr,
einfach nur so,
mit dem, was wir sind,

das wünsche ich mir.

Willkommen im Abenteuer 2012!


Januar 2012
(c) U.Pahnke-Felder