Donnerstag, Mai 21, 2009

Heilkunst oder manipuliertes Wunder

Nein, ich verstehe diese Heilkunst überhaupt nicht mehr.
Mir fehlt auch zur Zeit der Sinn für Humor, um das Handeln der Ärzte in den letzten 24 Stunden zu verstehen.
Oder träume ich und befinde mich mitten in einer surrealen Szene?

Yasmins Blutwerte wahren so schlecht, dass man sie isolierte, liebevoll „Affenkäfig“ genannt.
Das blieb bis gestern morgen um 11.00 Uhr so. Dann gingen die Türen des Zimmers auf, Isolation aufgehoben.
Glücklich.
Bevor wir jedoch jubeln konnten erreichte uns die Botschaft:
... bitte holen sie ihre Tochter nach Hause, sie wird heute noch entlassen. Wir machen die Papiere fertig.

Der Grund liegt nicht etwa in einer „Gesundung“.
Nein, man schafft alle „stabilen“ Patienten runter von der Station, fährt wegen des langen Wochenendes die Besatzung herunter und geht ins Wochenende.
Man gönnt sich ja sonst nichts!
Und siehe da, die Buchführung stimmt auch – Ach, was sind wir doch gut.

Die Angehörigen, die Familie kann sich kümmern und bitte, wenn was ist, dann SOFORT den Notarzt oder den Krankenwagen bestellen.
Ansonsten sehen wir uns am Montag wieder, da ist dann die nächste Chemo.
Somit standen wir mit mehreren Familienparteien total verdattert auf dem Flur der Abteilung, auf der sich wieder eine wundervollste Genesungswelle seit dem letzten langen Feiertagswochenende ereignete.

Hatte ich erwähnt, dass diese Entscheidungen getroffen wurden, nachdem die Onkologen ihren Dienst in die Hände der „Wochenendärzte“ legten und ebenfalls in das lange Wochenende verschwanden?

Heilkunst ist zu einem Verwaltungsakt verkommen.
So sehr ich auch meine Tochter zuhause wissen will, ihr das eigene Bett gönne, aber das, was sich hier tat, das ist der Irrsinn.
Ich dachte wir hätten die dunklen Kapitel einer Planwirtschaft weit hinter uns gelassen.
Ich dachte, dieser menschenverachtende und gewinnorientierte Kapitalismus wäre in den letzten Monaten ad absurdum geführt worden.

Ich bin wütend.


Mai 2009
(c) U.Pahnke-Felder

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