Donnerstag, Februar 26, 2009

Pause


Einige Tage Pause für unsere geschundenen Seelen.
Mal was anderes.
Wir genießen den Karneval - bunt lustig erfrischend.


Februar 2009
(c) U.Pahnke-Felder

Samstag, Februar 21, 2009

Tatsachen

Große, tränenverhangene Augen, noch größere als sie schon immer waren, schauen mich verzweifelt, aus dem Spiegel des Friseurs, heraus an.

In den letzten Tagen ging es sehr schnell.
Beim Kämmen fandest du immer mehr Haare in der Bürste. Dein Humor wich blankem Entsetzen.
Das, worauf Du immer so stolz warst, löste sich einfach auf, blieb als haariges Etwas morgens beim Aufstehen einfach auf dem Kissen zurück.
Hatten wir in den letzten Tagen den Ausfall noch mit Witzen kommentiert:
... Nun muss man sich einen Sommer lang keine Gedanken mehr um die Bikinizone machen!
jetzt zwingt dich die Tondeuse, die soeben aus dem spärlichem, letztem Flickenteppich auf deinem Kopf eine Tatsache machte, deine Krankheit endgültig zu akzeptieren.

Ein kahler Schädel, für alle sichtbar, lässt keinen Zweifel mehr, du bist eine Krebspatientin.

In wenigen Minuten wird die von dir ausgesuchte Perücke, die fast überhaupt nicht von Deinem echten Haar abweicht, das Bild für die Außenwelt wieder verschleiern.
Jetzt aber, hier unter dem kalten weißen Licht der Neonröhren, jetzt konfrontiert uns dein Spiegelbild überdeutlich mit den Fakten, die wir seit Anfang Dezember kennen.

Jetzt und hier gibt es keine Möglichkeit sich zu trösten, mit Hilfe von Leichtigkeit die Realität tragbarer zu machen.
Hier und jetzt zwingt uns in diesem kleinen Raum dein Anblick der Krankheit ins Angesicht zu blicken.

Ich danke dir, dass ich dich dabei begleiten durfte.



Februar 2009

(c) U.Pahnke-Felder

Mittwoch, Februar 11, 2009

Spaziergang

Ein erster Spaziergang mit Yasmin.

Eben und sei es noch so kurz, die frische Luft genießen. Die Lungen mit dem Füllen, was im Wetterbericht als „ungemütlich und wechselhaft“ beschrieben wurde.
Der Hund weiß vor Freude nicht, ob das Frisbee oder Yasmin im Rollstuhl wichtiger sind.
Er tobt sich müde und ist sichtlich glücklich.
Auch Tochterlieb strahlt über das ganze Gesicht.
Wir genießen intensiv und trotzen dem Wind, der an uns zaust.

Wieder ein kleines Stück auf dem Weg zur Normalität.
Wieder eine Selbstverständlichkeit, die sie sich zurückerobert.


Februar 2009
(c) U.Pahnke-Felder

Dienstag, Februar 10, 2009

Endlich Hunger

Draußen Schneeregen, klebende Nässe.
Kein winziger, erster Spaziergang mit Yasmin möglich. Auch der Hund will nicht laufen.

Dabei hat Yasmin heute zum ersten Mal „normal“ gegessen, wenn man den etwas extravaganten Appetit und die daraus resultierende Speisezusammenstellung als normal bezeichnen kann.
OK, wir hatten gesagt: -- worauf Du Appetit hast, das esse.
Aber ein Toast mit Marmelade, danach eines mit Erdnussbutter und dann noch eins mit Servelatwurst, dazu Early Grey.
Man muss Mut haben.
Ein Sternekoch würde etwas Anderes vorschlagen. Aber gut, es hat ihr geschmeckt und dieses Mahl hat das Essen den Körper nicht sofort wieder, wie in den letzten Tagen, verlassen. Auch der Orangensaft bekommt ihr ausgezeichnet. Kein Wunder, dass dieses Mahl zu Mittag nochmals bei sich ordert.

Ein ganz entspannter Tag, den wir genießen.



Februar 2009
(c) U.Pahnke-Felder

Montag, Februar 09, 2009

Wettlauf und Naturgewalten

Das Rennen mit Putzeimer, Scheuerlappen und Desinfektionsmittel gegen die Übelkeit von Yasmin, als Reaktion auf die Chemo, schien schon fast gewonnen.
Aber !!!
Die Dame kann es nicht lassen, nun hat sie gleich zwei neue "Nebenwirkungen".

Die Vene, in die Chemo gelaufen ist, hat sich entzündet. Also Antibiotika. Klasse, das die erfunden wurden.
Nur das Ergebnis ist weniger erfreulich: Schimmelbildung im Mund/ Rachenraum wegen des zusammengebrochenen Immunsystems. Die vorgeschrieben Salbe hat den Geschmack von drei Wochen getragenen Socken und löst neue Brechattacken aus.

Die inzwischen abgemagerte und völlig appetitlose Yasmin erfreut sich einer käsigen Gesichtsfarbe und sieht aus als wäre sie in der Mauser.
Ein kleines Vögelchen auf seiner Stange kann nicht elender aussehen.



Februar 2009
(c) U.Pahnke-Felder

Donnerstag, Februar 05, 2009

Montag, Februar 02, 2009

Start der Chemo

Bevor ich aufbrach, in meine ganz eigen Welt und mein Projekt in München, fiel bei Yasmin die unglaublich schwere Entscheidung.
Sie wird die Natur ihren Gang gehen lassen und keine zeitraubenden und hormontechnisch heftigen Vorkehrungen treffen, um sich einen dann letztlich doch nicht sicheren Kinderwunsch, in einer derzeit fernen und ungewissen Zukunft zu erfüllen.
Unter nicht versiegen wollenden Tränenströmen, trotz der liebenden Unterstützung ihres Lebenspartners Patrick, nahm sie schmerzhaft Abschied von ihrem großen Wunsch.
Wir konnten nur mit ihr weinen, sie im Arm wiegen und diesen Entschluss als richtig für sie akzeptieren.

Heute nun war ihr erste Tag der Chemokur.

Wir, ihre Eltern, haben sie ins Krankenhaus begleitet. Sie reagierte innerhalb weniger Stunden bereits sehr heftig.
Dennoch strich sie den ersten Tag ab, auf ihrer persönlichen Liste der ersten Chemokur, die bis zum 20. Juli laufen wird.



Februar 2009
(c) U.Pahnke-Felder