Montag, Januar 26, 2009

Entscheidungen

Die letzte Woche war ein zurückfinden in mein normales Leben, soweit man mein Leben als normal bezeichnen kann.

Da waren neue Kunstprojekte, die vorbereitet werden wollten. Da waren sehr interessante Ausschreibungen, die meine Konzentration und Kreativität fragten. Da waren Kontakte zu den Galeristen und Ausstellungsmachern. Da war meine Kollektion, die auch gestaltet werden wollte.
Aber !
Immer wieder wurde meine Konzentration unterbrochen, denn meine Tochter brauchte mich, brauchte meine Flügel, unter die sie flüchten konnte.

Sie steht vor einer wichtigen Entscheidung.
Sowohl die Chemokur, als auch die Strahlentherapie werden ein Angriff auf ihre natürlichen Möglichkeiten sein Kinder zu bekommen.
Also müsste sie nun „Vorkehrungen“ treffen, die eigentlich viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen.
Keiner kann ihr sagen ob sie diese Zeit hat.
Keiner kann ihr sagen, ob diese Maßnahmen auch später zu Resultaten führen werden.
Keiner kann ihr helfen oder ihr einen guten Rat geben.
Selbst die behandelnden Ärzte, die wirklich ihr Bestes geben, wagen keine Prognose, sprechen über keine Chancen in Prozenten.

Es ist ihr Leben, es ist ihre Zukunft, es ist ihre Partnerschaft.

Alles was ich bieten kann, ist ein offenes Ohr. Auch wenn der „Hilferuf“ mitten in der Nacht kommt.

Und doch packe ich meine Koffer, um zurück nach München zu reisen. Ein für mich wichtiger Termin steht an.
Denn eines ist sicher, egal was alles passiert, mein eigenes Leben geht auch weiter.


Januar 2009
(c) U.Pahnke-Felder

Montag, Januar 19, 2009

Tage wie diese

Wieder zurück in Venlo, aber noch nicht wirklich angekommen.

Gedanken bleiben zurück und wollen zuende gedacht werden.
Ideen zu neuen Kunstprojekten nehmen dazwischen Gestalt an, vermischen sich mit dem, was ich erlebt habe und dem, was mich hier in Venlo erwartet hat.
Manche würden das kreatives Chaos nennen.

Dazu der Himmel so grau und somit viel zu wenig Licht für eine Person wie mich. Kein Schnee mehr, Fisselregen, der sich in den Knochen festsetzt.

Kein Wunder, das man den heutigen Tag, dank einer sehr komplizierten Formel, zum „depressivsten Tag“ des Jahres errechnet hat, sagt mein Mann und pflegt dann auch diesen Zustand.
Es sei ihm gegönnt.


Januar 2009
(c) U.Pahnke-Felder

Mittwoch, Januar 07, 2009

Neues vom "Busenwunder"

Meine Tochter wird kreativ, was die Strategie zur Akzeptanz ihres derzeitigen Busens betrifft.
Sie will sich als erstes „einseitiges“ Busenwunder direkt und persönlich bei Hugh Hefner für ein Fotoshooting im Playboy melden.
Sie hat deutlich eine Schokoladenseite.

Es macht Spaß ihrer Phantasie zu lauschen.
Einige unserer Freunde sind etwas pikiert. Andere finden es toll und unglaublich lustig.
Wir, ihre Familie finden es großartig.

Kleines lass Dich bloß nicht unterkriegen. Vor Dir liegt noch so vieles, da kannst Du Alles gebrauchen, was Deine Seele streichelt. Und lachen, lachen ist pure Medizin.



Januar 2009
(c) U.Pahnke-Felder

Dienstag, Januar 06, 2009

Erste Kontrolle im Krankenhaus

Die erste reguläre Kontrolle im Krankenhaus nach der Operation.
Nach Besichtigung seines Werkes griff der Arzt zur Punktionsnadel und erleichterte Yasmin oder besser Ihren einseitige Prachtbusen, erfolgreich gleich um einige ml der unnötigen und unerwünschten Flüssigkeit.

Wir beschließen in der Cafeteria des Krankenhauses die verlorene Flüssigkeit wieder aufzufüllen.
Am Tisch kommen wir zu folgendem Schluss:
Eine Brustvergrößerung ist nicht das, was sich Yasmin erträumt. Falls sie jemals darüber nachdachte oder nachdenken sollte, dann ist dieser Gedanke nun gestrichen.

Danach wenden wir uns dem heiteren Krankheitsraten zu.
Wir erfinden zur Stimmungsaufhellung die wundersamsten Erkrankungen und mutmaßen über Heilungsmethoden und Heilungschancen. Wir sind uns einig, aufgerollte Fußnägel und verlegte Gebisse sind langwierige Krankheiten und fast nicht zu heilen.



Januar 2009
(c) U.Pahnke-Felder

Montag, Januar 05, 2009

Es wird alles wieder gut

Überstanden und wieder wach

Das Operationsfeld ist markiert

Vorbereitung zur Operation am 31.12.2008
Januar 2009
(c) U.Pahnke-Felder

Samstag, Januar 03, 2009

Angst

Zwischen dem ersten Biss in mein Marmeladentoast und einem großen Schluck Kaffee ist sie da.
Ungebeten, platzeinnehmend und dominant. Unbarmherzig schleicht sie durch meinen Körper.
Bodenlose Angst.
Ich versuche sie abzuschütteln, aber sie hat sich tief in meine Seele verbissen.
Atme, atme Uschi ...
Sie bleibt bei mir, greift nach meiner Seele und küsst sie mit ihrem eiskalten Hauch.
Ich versuche an unseren letzten, gemeinsamen Urlaub zu denken.
Sie ist stärker, umarmt mich mit festen Griff und zieht mich in einen Abgrund.
Ich trinke einen weiteren Schluck Kaffee und fühle wie er in meinen Magen plumpst. Gut so, er wird mich wärmen, denn inzwischen ist mir am ganzen Körper eiskalt und ich zittere.
Ich stehe auf und gehe zum Fenster, sehe in diesen frostklaren Morgen, beobachte einen kleinen Zaunkönig, der sich an den Samen eines Strauches im Garten bedient.
Langsam kann ich wieder atmen.
Es wird gut – letztlich wird alles wieder gut.
Wie eine heilende Mantra sage ich leise diesen Satz immer wieder und wieder.



Januar 2009
(C) U.Pahnke-Felder

Freitag, Januar 02, 2009

Wiedrige Umstände

Es war auch einfach zu schön.

Gestern war erst mal der Notarzt und die 1. Hilfe im Krankenhaus hier in Venlo angesagt.
Konnte jemand ahnen, dass sich Yasmin, unsere Tochter, überlegt hatte busentechnisch über Nacht einseitig von A auf Doppel-D zu wachsen????
Wusstet Ihr, dass ein blauer Busen, bis hin zur Hüfte auch sehr apart ist?
Der Notarzt war so beeindruckt, dass er seinen Kollegen im Krankenhaus diesen Anblick nicht vorenthalten wollte.
Nach erfolgloser Punktion, Spritze und einer Umstellung der Medikamente durfte Yasmin wieder nach Hause.
..."Bitte legen sie sich hin und halten Ruhe"
Also dieser Rat hat mir nicht ganz eingeleuchtet, wir hatten eigentlich ein Rugbyspiel mit Yasmin geplant.

Nun hat sie die letzte Nacht endlich geschlafen und klang vorhin am Telefon sehr positiv. Wir bleiben standby.



Januar 2009
(c) U.Pahnke-Felder

Donnerstag, Januar 01, 2009

Operationstag

Wir sitzen bei einer Tasse Kaffe und warten, dass uns P. der Lebensgefährte unserer Tochter abholt. Sie hatte sich gewünscht, dass wir sie ins Krankenhaus nach Venray begleiten.
Als ein Auto vor dem Haus hält und L., der Mann meiner Kollegin E. aussteigt. Der große Blumenstrauß, den er durch die Tür anreicht, soll uns in diesen schweren Stunden erfreuen.
Wir lassen uns in diese liebevolle Geste sinken, fühlen uns in der Decke der Freundschaft geborgen.
Auch die lieben mails, Karten und Briefe, die mitfühlenden Telefonate und SMS die uns, aber besonders unsere Tochter, in den letzten Tagen nun doch erreichen, zeigen uns: Wir haben Schultern und Arme gefunden, die uns in den nächsten Wochen und Monaten eben ausruhen und stützen werden.

Der Schreck der ersten Stunden, über die schlechte Nachricht, hat sich in Teilnahme verwandelt, die sich nicht aus Neugierde, sondern aus Sorge nährt.

Am Nachmittag ist die Operation überstanden. Soweit die Ärzte sagen, ist alles gut gegangen. Unsere Tochter darf uns am Abend zwar noch wackelig und duselig, aber auch müde und vorsichtig glücklich, nach Hause begleiten.

Um 12.00 Uhr genießen wir zusammen den Start in das Neue Jahr. Wir haben den Knoten wirklich hinter uns gelassen.
Was uns erwartet, das wird sich von ganz alleine entwickeln. Wir sind zugleich Zuschauer und Akteure in diesem unbekannten Stück, das sich Leben nennt.



Januar 2009
(c) U.Pahnke-Felder