Samstag, Dezember 27, 2008

Reaktionen

Meine Schwester meldete sich telefonisch.
Neben den Festtagsgrüßen erklärte sie mir in der nächsten Stunde detailliert den Zustand ihres Gebisses und die Mühen, die derzeit eine Zahnärztin damit hat. Danach waren Neuigkeiten aus ihrem Bekanntenkreis an der Reihe. Sie plappert und plappert.
Bevor ich auflegte wollte ich wissen, wie sie denn mit dem Brustkrebs ihrer Nichte umgehe und was ihre Gedanken dazu sein.
Erst fiel ein langes Schweigen und dann erklärte sie mir, dass dies so schrecklich sei, dass sie nichts dazu sagen möchte.

Es passt zu all den Bekannten, die die Straßenseite wechselten, wenn sie uns in den letzten Tagen in der Stadt sahen.


Auch ich habe Angst, auch ich will nicht jeden Tag darüber reden.
Aber Krebs ist nun durch unsere Tochter ein Teil unseres Lebens geworden. Genauso anwesend wie seit 7 Jahren die Herzkrankheit meines Mannes und wie bis zum letzten Jahr Alzheimer bei meiner Mutter.
Ungebetene Gäste, aber sehr dominante.
Ich heiße sie nicht willkommen, aber ich gebe ihnen den Platz, den sie einnehmen.


Dezember 2008
(c) U.Pahnke-Felder

Keine Kommentare: